Kirchbauförderverein der Pfarrei Maria Geburt Ottweiler e.V.
 

Die Priestergräber auf dem alten Friedhof Neumünster

Auf dem alten Friedhof Neumünster befinden sich die Grabstätten von fünf Priestern, die im 19. und 20. Jahrhundert zum Teil über mehrere Jahrzehnte als Seelsorger in der Pfarrei Maria Geburt verantwortlich waren.

Drei von ihnen haben in besonderer Weise große Verdienste erworben. Pfarrer und Dechant Johannes Sebastian Kranz (Pfarrer von 1811 bis 1835, Dechant seit 1827) gilt als der Erbauer von Pfarrhaus (1820) und Kirche (1832-34). Pfarrer und Dechant Johann Anton Josef Hansen (Pfarrer von 1838 bis 1875, Dechant seit 1866) hat eine sehr zeitgemäße Seelsorge mit vielen Initiativen betrieben (u.a. Gründung eines Borromäus Lesevereins, der St. Barbara-Erzbruderschaft und des kath. Frauen- und Müttervereins) und für die Anschaffung der Schlimbach-Orgel gesorgt. Unter Pfarrer und Geistlichem Rat Anton Hieronimi (Pfarrer von 1940 bis 1974) wurde u.a. das Pfarrheim erbaut, die Kirche den Vorgaben der Liturgiereform entsprechend umgebaut und die Orgel grundlegend erneuert.

In Würdigung der Verdienste dieser Seelsorger beschloss die Mitgliederversammlung des Kirchbaufördervereins im Jahre 2014, auch den Erhalt und die Pflege der Priestergrabstätte des Friedhofs Neumünster in den Aufgabenbereich des Vereins aufzunehmen. Die gärtnerische Pflege lag bis zum Jahre 2018 in den Händen von Werner Bosel, der im benachbarten Betzelbacher Weg zu Hause ist und dessen Vater Edwin über viele Jahrzehnte Totengräber und Friedhofsgärtner der Pfarrei war. Ab dem Jahre 2019 wird die Pflege vom Kirchbauförderverein durchgeführt.

Wann genau die Priestergrabstelle in der heutigen Form angelegt wurde, konnte noch nicht abschließend recherchiert werden. Sicher ist hingegen, dass sie nicht von Anfang an bestand. Mit der Belegung des Friedhofs wurde in der linken Ecke der stadtseitigen Mauer begonnen. Als Erster fand dort der Initiator des Friedhofs, Dechant Johannes Sebastian Kranz, seine letzte Ruhestätte. Er wurde der gesicherten Überlieferung nach allerdings auf freiem Feld beerdigt, weil Grund und Boden als sog. "Kirchenland" zwar im Besitz der Pfarrei waren, der Friedhof selbst aber noch nicht fertiggestellt war. Gesichert ist auch, dass die beiden im 20. Jahrhundert tätigen Pfarrer Anton Hieronimi und Ludwig Gillen in der Anlage der jetzigen Priestergräber beigesetzt wurden. Ob die anderen drei Priester an diese Stelle umgebettet wurden, ist noch nicht eindeutig festgestellt worden.


Aus Anlass des 200. Geburtstages von Johann Anton Josef Hansen (* 10. Juli 1801 † 3. Mai 1875) wurde die gesamte  Priestergrabstätte im Jahre 2001 grundlegend saniert und neu bepflanzt. Auch das große Standkreuz wurde restauriert und der Sandsteinsockel mit der Inschrift »IM KREUZ IST HEIL« erneuert.


Mit den Jahren wurde aus Wachstum Wucherung. So auch bei den Priestergräbern, die im Jahre 2018 gründlich gesäubert wurden. Zwei Jahre zuvor konnten mit Hilfe einer Spendenaktion die fünf unlesbar gewordenen Grabplatten gereinigt und die Schriftzeilen fachmännisch erneuert werden.

Von vier der fünf bestatteten Priester existieren Bildnisse: Jahannes Heyl, Johann Anton Josef Hansen, Anton Hieronimi und Ludwig Gillen (von links)


Gedenkstätte für die Dernbacher Schwestern

Während mehr als einem halben Jahrhundert, vom 3. März 1902 bis zum April 1965, waren Ordensschwestern aus der Kongregation der "Armen Dienstmägde Jesu Christi" (Ancillae Domini Jesu Christi - ADJC) in unserer Pfarrei tätig. Für die Ottweiler Filiale des Mutterhauses in Dernbach (Westerwald) wurde direkt hinter der Kirche in der Herrengartenstraße ein eigenes Klostergebäude errichtet, das dem heiligen Josef geweiht wurde. Hauptaufgabe der Schwestern war die ambulante Krankenpflege in der Ottweiler Bevölkerung. Daneben richteten sie eine sogenannte "Kinderverwahrschule" ein, aus der später der kath. Kindergarten hervorging (heute Kinderhaus Clara Fey der KiTa gGmbH) und eine Nähschule, in der Mädchen in Handarbeit unterrichtet werden konnten. Zwei der in diesem Haus tätigen Dernbacher Schwestern starben in Ottweiler und Neunkirchen und wurden auf dem Friedhof Neumünster zu Grabe getragen.

Diese Gedenkstätte für die Dernbacher Ordensfrauen konnte 2015 dank großzügiger Spenden in unmittelbarer Nähe der Priestergräber errichtet werden. Das große Grabkreuz und die beiden Namensplatten stammen vom ursprünglichen Grab, das sich direkt am Hauptweg in der Mitte des Friedhofes befand. Die unleserlich gewordene Inschrift auf dem Kreuz wurde durch eine Texttafel ergänzt und die Namensplatten restauriert.

Herzlichen Dank an dieser Stelle allen großzügigen Spendern!

Die erste der beiden hier bestatteten Ordensfrauen war Schwester M. Hildeberta, die den Ottweiler Konvent zu Beginn des Ersten Weltkrieges als Oberin geleitet hatte. Sie wurde als Sophia Steinkühler am 4. Juni 1871 zu Derendorf bei Düsseldorf geboren. Ihre Einkleidung in den Orden erfolgte am 17. März 1896 und ihre Profess am 31. August 1897. Bereits vom 3. April 1902 an gehörte sie zu den drei ersten Schwestern in Ottweiler und blieb hier bis zum 10. November 1908. Nach einem knapp einjährigen Einsatz in Merl wurde sie ab dem 27. Juli 1910 erneut nach Ottweiler beordert und vom Mutterhaus in die Position der Oberin berufen. Sr. M. Hildeberta wurde nur 44 Jahre alt; sie verstarb am 18. Dezember 1915 zu Ottweiler und wurde auf dem katholischen Friedhof Neumünster beigesetzt.

Direkte Nachfolgerin als Oberin wurde ab dem 30. Dezember 1915 Sr. M. Birilla, die dieses Amt bis zu ihrem Tod am 20. August 1916 innehatte. In Neunkirchen gestorben, wurde auch sie in der Grabstätte auf dem Neumünster neben ihrer Vorgängerin bestattet. Im Gegensatz zu dieser und angesichts der durchschnittlichen Lebenserwartung, die bei pflegenden Personen zwischen dreißig und vierzig Jahren lag, war Sr. M. Birilla geradezu alt geworden. Als Maria Bode war sie am 4. Oktober 1845 zu Dernbach geboren worden, entstammte also dem Heimatort der Ordensgründerin Katharina Kaspar. Mit 18 Jahren trat sie in das Kloster ein. Sr. M. Birilla war fast fünfzig Jahren als einfache Ordensschwester, aber auch immer wieder als Oberin in verschiedenen Einsatzorten überwiegend auf der Rheinschiene, also Mutterhaus-nah tätig. 1915 stellte sie sich, bereits 70-jährig in Ottweiler erneut den Anforderungen, eine Filiale im Krieg – und hier sogar im frontnahem Gebiet – zu leiten.

Der Orden der Armen Dienstmägde Christi existiert auch heute noch. Der Ordensleitung in Dernbach sind auch die vom Kirchbauförderverein angefragten detaillierten Informationen zu den beiden in Ottweiler bestatteten Schwestern zu verdanken.